Tag 56: Zentrales Assignmenteinreichungsbüro - oder: Verhindertes Feuer

Wales > Der Tag > Tag 56: Zentrales Assignmenteinreichungsbüro - oder: Verhindertes Feuer
Freitag, 17. November 06

Neben der sehr geschrumpften Vorlesung in Cooperate Risk Management gibt es heute wieder einige interessantere Vorgänge.

So habe ich heute mein erstes von X)* Assignments eingereicht. Zuerst etwas verunsichert ging es anschließend aber problemlos und zeitintensiv. Allerdings ist gut zu wissen, dass an der alterwürdigen Universität Papier und Tinte mehr zählen als Bits und Bytes. Es ist daher nicht möglich, die Assignments wie bisher gewohnt digital einzureichen bzw. per Email zu versenden.

Aufgrund eines Tipps hatte ich daher das Assignment in ausgedruckter Fassung dabei. So bewaffnet bin ich frohen Mutes zum Sekretariat des Business Departments marschiert. Dort angekommen - die Uhr zeigte nachmittägliche 3:00 p.m. - wurde mir dezent mitgeteilt, dass Assignments doch bitte am Tage bis 2:30 p.m. einzureichen seien. Ausnahmsweise mache man heute bei mir mal eine Ausnahme. Dann also hier ein Formular... ich dachte, das ich das Assignment nur abgeben müsste. Aber nix is, alles wird traditionell verwaltet und ohne 4fache Durchschrift geht hier nun mal nichts. Formular ausgefüllt, wer bin ich, was will ich, wer könnte die Arbeit korrigieren und noch ein paar weitere lästige Daten müssen nun von Hand manuell eingetragen werden. Anschließend das Formular zur Sachbearbeiterin, gegenprüfen. Dann die Arbeit einreichen. Warum mache ich mir eigentlich die Mühe und drucke alles schön sauber auf hochfeines, elfenbeinfarbenes handgeschöpftes Papier? Ausdrucke und Formular wurden von der Assistentin, äh Sachbearbeiterin ohne Umschweife mit einem lauten Schlag zusammengetackert.

Und so dauert das Einreichen von Assignments halt nicht Sekunden, sondern nur 10 Minuten. Aber zum Glück raucht das Pfeifchen des Professors, dessen Vorlesungspause ich zum Einreichen benutzt habe, etwas länger als die offiziellen 10 Minuten.

Nach der Vorlesung wurde uns eine kleine Pause gegönnt, anschließend sollten wir wieder mit einer der so beliebten und zahlreichen Fire Safety and Security-Sitzungen bedient werden. Anwesenheit ist zwingend erforderlich, Ausnahmen werden nur bei dauerhafter Lebensaushauchung gemacht. Also spät am Abend nach der Vorlesung wieder ins Main Art Building geschleppt und den entsprechenden Vorlesungssaal gesucht. In Britannien sagt man dazu ja "Theatre", was übersetzt - ja, ganz richtig - "Theater" bedeutet. Fragt sich nur, wer hier wem was vorspielt.

Mit unserem Eintreffen - Kollege und ich - sank das Verhältnis der Chinesen um 5% auf nunmehr nur noch 95%. Bis zu unserem Eintreffen waren tatsächlich nur chinesische Studenten anwesend. Engländer sind gegen solche Belehrungen resistent, wissen sie doch schon aus eigener Erfahrung, wie man betrunken den Feuermelder am effektivsten auslöst. Um das warten auf die hervorragende Informationsveranstaltung zu verkürzen, haben der Kollege und ich ein kleines programmiertechnisches Problem erörtert. Nach nur 37 Minuten erscheint dann auch die leitende und verantwortliche Professorin und bittet um Entschuldigung.

Was ist vorgefallen? Der eigentlich vorgesehene Referent der "Abteilung für Feuerlöscher und angewandte Lösch-Kunst" hatte ihr kurzfristig per Email abgesagt. Da Emails im Businessdepartment aber nur stündlich ausgedruckt und verlesen werden, war der Informationsfluss nicht sehr zeitnah. Sofort nach Verkündung des Totalausfalls und noch vor der Mitteilung der Verschiebung auf unbestimmte Zeit später waren die Chinesen verschwunden.

Wenig später sind der Kollege und ich dann aber auch Richtung Wohnheime gezogen, um uns wieder den beständig vermehrenden Assignments zu widmen.

)*: Beliebige Zahl größer 5 einsetzen.
Impressum & Copyright © 2000-2026, all rights reserved.